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Burg und Schloß

Die Burg

Die wohl bereits im 11. Jahrhundert am Oberlauf der Ems errichtete Burg der Grafen von Werl-Arnsberg bildete die Basis für die Entstehung und Entwicklung der Stadt und Grafschaft Rietberg. Zur Zeit von Graf Konrad II. († 1092) wurde die Burg zur Sicherung ihrer Macht in einem sumpfigen Gebiet an der Ems erbaut. Sie lag strategisch am Schnittpunkt des gräflichen Interessenbereichs zu den weltlichen Einflussbereichen der Bistümern Münster, Paderborn und Osnabrück. Durch das sumpfige Gelände, durch Mauern und Wälle war die Anlage geschützt.

Nach der Erbteilung zwischen Graf Gottfried III. und Konrad I. von Rietberg im Jahre 1237 diente die Burg als Hauptsitz der von Konrad begründeten Grafen von Rietberg. Die nahe gelegene Siedlung wurde zur Residenzstadt Rietberg ausgebaut. Sie wurde erstmals 1289 erwähnt.

Die Grafschaft Rietberg gehörten zu den bedeutendsten Herrschaften in Westfalen. Die Nachfolge der Burg Rietberg trat das Schloss Rietberg (Schloss Eden) an, als der Graf seine Residenz in der Mitte des 14. Jahrhunderts aus der Stadt heraus verlegte. 1618 wurde auf dem Gelände der ehemaligen Burg das Franziskanerkloser erbaut.


Schloß "Eden"

Schloss Rietberg wurde von den Grafen von Rietberg im 14. Jahrhundert erbaut, als sie ihre Residenz aus der Stadt Rietberg nach außerhalb in den Bereich der Emsniederung verlegten. Weitere Bezeichnungen waren auch "castrum", "borch", "hus" oder "slot" und wegen der morastigen Lage auch manchmal auch "dat Dreckslot". Im Jahr 1456 trug Konrad V. Graf von Rietberg die Grafschaft dem hessischen Landgrafen Ludwig zum Lehen auf. Kurzzeitig unter kaiserlichen Befehl kam Schloss Rietberg während des Erbstreites der Grafen Otto IV. und Johann II. Mit der Eroberung von Schloss Rietberg 1557 durch das Exekutionsheer des Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreises gegen Graf Johann II. wurden auch die Verteidigungsanlagen der Stadt geschleift. Die Wiederbelehnung des Hauses Rietberg erfolgte 1566, doch für Schloss Rietberg bestand nun ein Befestigungsverbot.

Mit der Trauung von Graf Johann III. und Gräfin Sabina Katharina von Ostfriesland-Rietberg 1601 begann die Rekatholisierung der Grafschaft, die fast 70 Jahre evangelisch gewesen war.

Das sog. "hochgräfliche Haus Rittberg" wurde zwischen 1603 und 1623 in Stil der Weserrenaissance umgebaut, 1683 erhielt der westfälische Barockbaumeister Johann Mauritz Gröninger einen Vertrag über den Ausbau eines Alkovens am Schloss. Dieser prächtige Bau war bis 1687 gräfliche Residenz. Nach der Eheschließung der Erbtochter Maria Ernestine Franziska von Ostfriesland-Rietberg mit dem mährischen Grafen Maximilian Ulrich von Kaunitz wurde die Hofhaltung 1699 in Rietberg aufgegeben und die Grafschaft aus der Ferne verwaltet. Das unbewohnte Schloss verfiel zusehends und große Teile des Mobiliars kamen durch Diebstahl abhanden. Noch vorhandenes Inventar wurde allmählich verkauft. Im April 1802 entschied der Landesherr, Fürst Dominikus Andreas von Kaunitz-Rietberg, das Schloss Rietberg abbrechen zu lassen. Im folgenden Jahr wurde es vollständig abgetragen.

Bald darauf war das vergangene Schloss Gegenstand von romantischer Verklärung in der Bevölkerung, die in idealisierender Weise nun von "Schloss Eden" sprach.

Im Jahr 1822 erwarb der Osnabrücker Kaufmann Friedrich Ludwig Tenge (1793-1865) auf Gut Niederbarkhausen (Oerlinghausen, Lippe) den ehemaligen Besitz der Grafschaft Rietberg und auch das ehemalige Schlossgelände und die Johanneskapelle. Um 1900 ließ die Familie Tenge die ausgedehnten Fischteiche anlegen, die 1996 als Naturschutzgebiet ausgewiesen wurden. Im Jahr 1999 schenkte die Familie die Johanneskapelle der Stadt Rietberg. Heutiger Besitzer des Schlossgeländes ist Carl Friedrich Tenge-Rieberg, er betreibt seit 1983 auf dem einstigen Schlossgelände das Gestüt Rietberg für Vollblutzucht. (H.T.)