Gräfin Maria Ernestine Franziska - Heimatverein

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Gräfin Maria Ernestine Franziska

Von Manfred Beine
31.12.2007
Vielleicht war sie in politischer Hinsicht nicht die bedeutendste, sicherlich aber ist Maria Ernestine Franziska Gräfin von Ostfriesland und Rietberg (1687-1758) bis heute die bekannteste und populärste der Rietberger Gräfinnen geblieben. Vor genau 250 Jahren starb sie.

Verheiratet mit dem Grafen Maximilian Ulrich von Kaunitz (1679-1746), lebte sie seit Anfang des 18. Jahrhunderts überwiegend in Mähren. Dennoch hat Maria Ernestine ihre alte, rund 850 Kilometer entfernte westfälische Heimat niemals vergessen oder gar vernachlässigt. Anders als ihr Sohn Wenzel Anton Fürst Kaunitz-Rietberg (1711-1794), der Rietberg vorwiegend als Einnahmequelle betrachtete, war Maria Ernestine stets bestrebt, ihr kleines ererbtes Land an der Ems nachhaltig zu fördern und die Lebensverhältnisse für die Menschen im Rietberger Land zu verbessern. Sie schuf oder erneuerte soziale, kulturelle und religiöse Einrichtungen.

Als erstes ließ das Grafenpaar ab 1716 das Rietberger Franziskanerkloster vollständig neu errichten und erweiterte die kleine Saalkirche nach Westen hin. Die Landesherrschaft gründete alsdann 1743 das Gymnasium Nepomucenum und das neue Kirchspiel Kaunitz. Schulbau und Kirche, zunächst noch ohne Turm, konnten 1750 fertig gestellt werden. Der Grä fin schönstes Geschenk an ihre Rietberger Stadt- und Landeskinder aber war und ist die 1748 geweihte Johanneskapelle an der Delbrücker Straße. Überhaupt stellten Graf und Gräfin 1723 die gesamte Grafschaft Rietberg, die Burg, die Stadt und das Land, unter den besonderen Schutz des böhmischen Brückenheiligen Johannes von Nepomuk. 1723 ließ Maria Ernestine die Johannes-von-Nepomuk-Statue g egenüber der Schlossauffahrt errichten. Für 1726 ist die erste von ihr ins Leben gerufene Rietberger Nepomukprozession belegt. Ab 1747 ließ sie die großartige Johanneskapelle erbauen.

Über das Leben von Gräfin Maria Ernestine Franziska, die 16 Kindern das Leben schenkte, weiß man heute einiges. Maria Ernestine wurde am 5. August 1687 geboren, höchstwahrscheinlich auf Schloss Rietberg. Aber sie kann nicht lange in Rietberg gelebt haben. Schon vor ihrer Geburt war am 10. Juni 1687 ihr Vater Ferdinand Maximilian Graf von Ostfriesland und Rietberg (1653-1687) im Alter von nur 44 Jahren gestorben. Maria Ernestines um ein Jahr ältere Schwester Anna Christina verschied bereits als Kind von zweieinhalb Jahren am 11. Januar 1689 in Köln.

Die zurückbleibende Mutter, die Witwe Joannetta Gräfin von Manderscheid-Blankenheim (1663-1704), verließ zusammen mit der einzigen verbliebenen Tochter sehr bald die Emsgrafschaft und heiratete 1692 in zweiter Ehe den Grafen Arnold Moritz Wilhelm von Bentheim-Bentheim. Die halbwaise Rietberger Erbtochter verbrachte ihre Kindheit und frühe Jugend überwiegend am kurpfälzischen Hof in Düsseldorf.

Die Regentschaft in Rietberg übernahm nach dem Tod des Vaters zunächst dessen Bruder Franz Adolf Wilhelm Graf von Ostfriesland und Rietberg (1651-1690). Um nach seinem baldigen Tod die Rechte seiner Nichte, der dreijährigen Maria Ernestine, zu sichern, wurde die Grafschaft von 1690 an unter eine treuhänderische kaiserliche Squestrationsverwaltung gestellt. Zu Vormündern der Rietberger Gräfin im Kleinkindalter waren unter anderem der Bischof von Münster, Friedrich Christian von Plettenberg sowie der Bischof von Paderborn, Hermann Werner von Wolff-Metternich zur Gracht, bestellt worden. Erst 1702 sollte der Rietberger Erbgräfin nach einem Urteil des Reichshofrates in Wien wieder selbst das freie Verfügungsrecht über die westfälische Grafschaft eingeräumt werden.

Seit 1699 aber war Maria Ernestine bereits mit Maximilian Ulrich von Kaunitz verheiratet. Schon im Jahre 1697 hatte sich der Vater des Bräutigams, Reichsvizekanzler Dominik Andreas Graf von Kaunitz (ca. 1654-1705) gegenüber der Brautmutter, Gräfin Joannetta Franziska nunmehr verheiratete Gräfin von Bentheim-Bentheim, vertraglich verpflichtet, bei Zustandekommen dieser Ehe eine Prämie von 30.000 Reichstalern zu zahlen. Während ihrer Regierungszeit hatte sich Maria Ernestine immer als »Mutter« der Rietberger Franziskaner betrachtet. In alter »Anhänglichkeit« an ihr reichsgräfliches Erbe, an Rietberg, an das Land, an die Stadt und an seine Bewohner, hatte die Gräfin verfügt, dass nach ihrem Tod wenigstens ihr Herz in Rietberg bestattet werden sollte. Als sie vor genau 250 Jahren am 1. Januar 1758 im Alter von 71 Jahren starb, wurde ihr Leichnam in der Dominikanerkirche zu Brünn beigesetzt. Ihr Herz aber brachte ihr Hausgeistlicher, der Rietberger Dechant Johann Christoph Schürkmann (1727-1788), Ende Februar 1758 nach Rietberg, wo es, aufbewahrt in einer vergoldeten, herzförmigen Kupferkapsel, in der Krypta der Franziskanerkirche St. Katharina bestattet wurde. Dort ruht das Herz dieser beliebten Regentin, nach der auch eine Straße in Rietberg benannt wurde, bis heute.


 
 
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