Die Glocke | Nr.: 61 | Rietberg | Donnerstag, den 13.03.2025
Heimatverein der Stadt Rietberg besteht seit 50 Jahren
So lange es geht die Geschichte der Heimat erzählen
Von NIMO SUDBROCK
Rietberg (gl). Die Stadt Rietberg und „ihr“ Heimatverein: Das sind Zwei, die seit 50 Jahren zusammengehören.
Am Freitag feiert der Heimatverein runden Geburtstag. Anlass für Rückblick und Ausblick. Und für ein Versprechen: Die Geschichte der Heimat wollen die 623 Mitglieder um Vorsitzenden Günter Höppner auch in Zukunft erzählen.
Mit gerade einmal 50 Jahren auf dem Buckel ist der Heimatverein der Emsstadt ein echter Jungspund. In Rietberg gibt es wesentlich ältere Vereine, allen voran die 1634 gegründete Schützengilde. Aber keiner beschäftigt sich so intensiv mit der bewegten Vergangenheit der ehemaligen gräflichen Landeshauptstadt.
Genau genommen ist der Heimatverein aber doch ein bisschen älter als 50. Einen Vorläufer gab es nämlich bereits ab 1931. Dessen Aktivitäten kamen allerdings weltkriegsbedingt jäh zum Erliegen.
Und auch die Wiederbelebung im Jahr 1945 war nur von kurzer Dauer. Damit war der Heimatverein Geschichte.
Jeder verdient eine zweite Chance: Getreu diesem Motto kam es am 14. März 1975 – also morgen vor genau 50 Jahren – zur Neugründung des Heimatvereins der Stadt Rietberg. Damit wurde das erste Kapitel einer Erfolgsgeschichte verfasst, an der bis heute weitergeschrieben wird.
Erste Vorsitzende war die spätere Ehrenbürgerin Käthe Herbort. Auf sie folgte 1991 Dr. Michael Orlob, der die Geschicke des Vereins mehr als ein Vierteljahrhundert prägte. Frank Henrichfreise übernahm 2017. Der heutige Vorsitzende Günter Höppner ist seit 2022 am Ruder.
Was ehemalige und heutige Aktive vereint, ist die Liebe zu ihrer Heimatstadt. Und das Anliegen, möglichst viel Rietberger Spezialwissen für die Nachwelt zu erhalten: Denn der Großteil davon steht nicht in offiziellen Geschichtsbüchern. Es sind vielmehr die vom Heimatverein herausgegebenen Broschüren und Bände, die Aufschluss über vergangene Jahrzehnte und Jahrhunderte geben und damit schwarz auf weiß ein gutes Stück Stadtgeschichte darstellen.
Dabei sind die Heimatfreunde längst in der digitalen Welt angekommen. Nach und nach entsteht in mühevoller Kleinarbeit ein Archiv mit digitalisierten Fotos aus der Zeit ab etwa 1860 bis in die Gegenwart. Damit nicht genug: Akribisch werden zu jedem Motiv alle verfügbaren Bildinformationen festgehalten, um jetzt und in späteren Jahren historische Recherchearbeit zu ermöglichen.
Wen zeigt das jeweilige Foto? Wann ist es endstanden? Und wo, zu welchem Anlass? Das nachzuhalten, sei eine Mammutaufgabe, sagt Wolfgang Stroop vom digitalen Arbeitskreis. Ein Ende sei nicht in Sicht, weil den Heimatfreunden immer wieder neue Fotos zugespielt werden, die es zu sichten, zu scannen und zu katalogisieren gilt.

„Die Zeit hält niemals an, also dürfen wir es auch nicht“
Rietberg (sud). Heute präsentiert sich der Heimatverein Rietberg thematisch breiter aufgestellt als jemals zuvor.
Radtouren, Gedächtnistraining, Spieletreffs, Kochabende, Solarberatung, Ausstellungen, Textil- und Bastelangebote, Kulturveranstaltungen sowie ein Plattdeutsch-Treff: Die Liste der regelmäßigen Aktivitäten ist lang – „und sie wird immer länger“, sagt Günter Höppner. Denn der Kreativität der Mitglieder seien keine Grenzen gesetzt.
Mit einer Ausstellung fing Mitte der 1970er-Jahre übrigens alles an: Von Januar bis März 1975 wurden unter der Überschrift „Rentierjäger“ altsteinzeitliche Artefakte aus der Zeit um 10 000 vor Christus gezeigt. Die Funde stammten von Ausgrabungen in der Großen Höppe. Die Schau in den Räumen der damaligen Sparkasse Rietberg erwies sich als Publikumsmagnet. Davon beflügelt kam es zur Neugründung des Heimatvereins. Die Gründungsversammlung fand übrigens im inzwischen längst abgerissenen Neubau der katholischen Volksschule am Südtor statt.
Ein erstes Großprojekt für den noch jungen Heimatverein war ab 1976 eine großangelegte Spendenkampagne für die Renovierung der Johannes-Nepomuk-Kapelle. 10 000 Mark kamen zusammen, die unter anderem für die Glocke der Kapelle und das Wegekreuz am Johannesweg verwendet wurden. Als Dankeschön erhielten alle Spender Nachdrucke des Rietberger Notgelds aus den frühen 1920er-Jahren.
In den Folgejahren war der Heimatverein maßgeblich an der Unterschutzstellung der Rietberger Emsniederung beteiligt, in der bedrohte Vögel brüten. Größtes Projekt in der bisherigen Vereinsgeschichte war aber die Restaurierung des Heimathauses an der Klosterstraße. Mit Spenden und umfangreichen Eigenleistungen stemmte der Heimatverein gut ein Drittel der Gesamtmaßnahme. Den Rest teilten sich Stadt Rietberg und Land NRW.
Zum Jubiläum „700 Jahre Stadt Rietberg“ 1989 war endlich alles fertig. Seitdem ist die schmucke Fachwerkimmobilie im Herzen der Altstadt die Keimzelle des Heimatvereins.
Ute Merschbrock ist es wichtig, dass das gesammelte Wissen nicht in Schubladen und Schränken verstaubt, sondern für alle Rietberger, die sich für ihre Stadt interessieren, „einen echten Mehrwert“ bietet. „Geschichte erlebbar machen“ sei der Anspruch, wenn Büchlein wie unlängst das zur Rietberger Schulgeschichte veröffentlicht werden, eine Facebook-Gruppe mit 1100 Followern immer wieder mit spannendem Material aus alter gefüttert wird oder demnächst ein Touchscreen in der Deele des Heimathauses aufgestellt wird, an dem sich Besucher per Bildschirmberührung durch historische Fotos klicken können. „Die Zeit hält niemals an, also dürfen wir es auch nicht“, bringt es Günter Höppner auf den Punkt.


Hintergrund
Heimatliebe geht durch den Magen: Weil die Erinnerung an alte Zeiten auch immer etwas mit Gerichten zu tun hat, die heute nicht mehr ohne Weiteres überall auf den Tisch kommen, bietet der Heimatverein Rietberg seit einiger Zeit spezielle Koch-Events an. Leckere Gerichte wie zu Großmutters Zeiten stehen dann auf dem Speiseplan. Das kann in den kalten Wintermonaten beispielsweise Grünkohl sein oder auch Sauerkraut, das einige Wochen lang reifen muss. Der Erfolg gibt den Heimatfreunden recht: Die Plätze bei den Kochveranstaltungen sind immer heiß begehrt..