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Die Glocke | Nr.: 231 | Rietberg | Montag, den 06.10.2025

Der international bekannte Verein „Maß & Gewicht“ hat sich in der Emsstadt zur Herbsttagung getroffen. Zum Programm gehörte eine Börse.

Tausende Exponate aus aller Welt und aus mehreren Jahrhunderten sind im Rietberger Heimathaus zu sehen, Gestiftet hat die Exponate Frank Junge (l.). Zusammen mit Dr. Reinhard Hochstetter begrüßte er Gäste aus Nah und Fern zur Herbsttagung in Rietberg. Foto: Blöß

Rietberg (pkb) – „Das ganze Ambiente ist sehr romantisch und passt zu unseren historischen Objekten.“ So formulierte es der Vorsitzende des international agierenden Vereins für Metrologie „Maß & Gewicht“, Dr. Ulrich Brand, in seiner Einladung zur Herbsttagung der Gemeinschaft. Gemeint war damit das Rietberger Heimathaus inmitten des historischen Stadtkerns. Dort und nicht nur da trafen sich je nach Tag zwischen 30 und 50 intime Kenner des Themas und seine Relikte aus längst vergangenen Zeiten.

Viele Kenner der Materie vor Ort

Von Donnerstag bis Sonntag gab es ein buntes Programm – und jede Menge Engagement und Entgegenkommen der heimischen Einlader, die den Gästen aus Deutschland und dem benachbarten Ausland einiges bieten konnten. 1987 gegründet, weilte die Gemeinschaft nun erstmals in der Emsstadt und durfte in den Räumen an der Klosterstraße ein atmosphärisch unübertreffliches Ambiente genießen. Dass die große Verkaufs- und Tauschbörse aufgrund der verzweigten kleinteiligen Räumlichkeiten nicht direkt aneinander stattfinden konnte – kein Problem, da verteilte man sich in die kleinen Stuben, auf der Deele und am Rande des Küchenbereichs.

Die Verkaufs- und Tauschbörse verteilte sich in die kleinen Stuben, auf der Deele und am Rande des Küchenbereichs. Foto: Blöß

Was die Kenner der Materie da auf ihren Ausstellungsflächen präsentierten, das ließ so manchem das Wasser der Begehrlichkeit im Munde sammeln. Eine klitzekleine Schachtel aus dem 18. Jahrhundert, mit kleinen Gewichten und einer Art Waage en miniature – ob es die Händler in der ZDF-Serie Bares für Rares zu schätzen gewusst hätten? Nicht für „80 Waldi“, wohl aber für schlappe 1500 Euro durfte das gute Stück den Besitzer wechseln. Und dass ein besonderes, ganz seltenes Gewicht zur Vervollständigung einer Sammlung auch einmal einen fünfstelligen Scheck erfordern kann, das erfuhren geneigte Betrachter im Rahmen der samstäglichen Börse. Da machte sich der Tisch eines Ausstellers, bedeckt mit einzelnen Gewichten und kleineren Sammeleditionen mit dem Verweis „alles auf dem Tisch nur je 250 Euro“ regelrecht bescheiden aus.

Ausstellung im Heimathaus kann sich sehen lassen

Wer einfach mal schauen wollte, was die Mitglieder des Vereins für Metrologie denn da so fasziniert, konnte eintauchen in eine Welt, die so kaum jemandem selbstverständlich ist. Anders sieht das bei den engagierten Mitgliedern des Heimatvereins Rietberg aus, insbesondere Vorsitzender Günter Höppner, Wolfgang Stroop und Dr. Reinhard Hochstetter wussten sehr wohl um all das, was zum Thema „Maß und Gewichte“ gehört.

Aus dem 18. Jahrhundert stammt diese Mini-Waage, die für 1500 Euro den Besitzer im Rahmen der Verkaufs- und Tauschbörse im Heimathaus hätte wechseln können. Foto: Blöß

Die Gastgeber aus der Emsstadt haben eine eigene Präsentation mittlerweile, um die sie auch international beneidet werden. Die Ausstellung im Obergeschoss wurde von den Gästen mit reichlich Lob bedacht, und manch einer sah dort hinter Glas so manches, was ihm als i-Tüpfelchen seiner Sammlung vorkam. Indes, die Exponate sind eine Stiftung von Frank Junge, der seiner Frau Petra zuliebe von Hamm nach Rietberg gezogen ist und sich raummäßig verkleinert hat. Was er in fast 60 Jahren themenspezifisch gesammelt hat – Tausende Exponate aus aller Welt und aus mehreren Jahrhunderten – hat er für die Ausstellung im Heimathaus bereitgestellt. „Wir wohnen ganz in der Nähe, direkt am Rand der Innenstadt, und da kann er sich alles immer wieder anschauen“, so Petra Junge. Auch deshalb erwies sich Rietberg als idealer Veranstaltungsort für die Experten des Vereins, wie Dr. Ulrich Brand betonte.

Vorträge sind bei Tagung das i-Tüpfelchen

Hinzu kam die Bereitstellung geeigneter Räume für die Vorträge, denn auch solche sind steter Bestandteil des Herbsttreffens. Brand selbst befasste sich im Ratssaal im Alten Progymnasium mit der Geschichte des Pfennigs von der Römerzeit bis heute. Rolf Laufkoetter aus Bad Ems, ausgewiesener Experte und Fachbuchautor, berichtete zur Alltagsarbeit der Apotheke, er selbst ist Apotheker, zur Medikamentenherstellung im 18. Jahrhundert. Und natürlich war sein Beispiel die Rotgerische Apotheke, die einst ebenso wie die Schwanen-Apotheke an der Rathausstraße im Dienst der Gesundheit stand. Familie Rotgeri hatte stets Wert darauf gelegt, historische Dokumente zu erhalten und sie über Generationen in der Familie weiterzugeben. Nicht mehr vorstellbar ist in der heutigen Zeit, wie einst bei Kerzenlicht Tinkturen und Tränke unter schwierigsten Bedingungen hergestellt worden waren. Ein buntes Rahmenprogramm mit Führungen in der Stadt und einer Tour mit dem Rieti-Express sowie gemeinsame Essen im Mauritz ergänzten die Tagung.

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