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Die Glocke | Nr.: 136 | Rietberg | Dienstag, den 16.06.2026

Rettung für Rietberger Heimatpreis kommt von unerwarteter Seite
Von Mareikje Addicks.

Ein früherer Preisträger will verhindern, dass es die Auszeichnung künftig in Rietberg nicht mehr gibt. Der Heimatpreis soll aber nicht nur gerettet, sondern auch umbenannt werden.

Vor zwei Jahren bekam der Heimatverein Rietberg die Urkunde und einen Geldbetrag für den ersten Platz beim Heimatpreis, der 2024 das erste Mal in Rietberg verliehen wurde. Da konnte noch niemand ahnen, dass dieser Preis gar nicht erst zu einer guten Tradition werden würde. Das wollen (v. l.)
Heimatvereinsvorsitzender Günter Höppner und sein Stellvertreter Wolfgang Stroop gerne ändern.
Foto: Addicks

Eine vergleichsweise kurze Geschichte
Nur zwei Mal ist es in der verdammt kurzen Geschichte des Heimatpreises in der Giebelstadt zur Verleihung gekommen. Damit sollte ein gutes Ziel verfolgt werden, nämlich das Ehrenamt in den Fokus zu rücken. Der Stadt entstanden dadurch keine direkten Kosten, denn der Preis wurde vom Land NRW ausgelobt. Dennoch fiel er dem dringend nötigen Sparkurs zum Opfer, und die Politik hatte ihm im Rahmen der Haushaltskonsolidierung mit vielen weiteren Kostenpositionen im Gesamtpaket schlussendlich eine Absage erteilt. „Wir waren erst stinksauer“, platzt es aus Günter Höppner heraus, der sich nicht nur als Vorsitzender des Rietberger Heimatvereins einbringt, sondern politisch für die Freien Demokraten ins Feld zieht. Doch mittlerweile haben sich die Wogen etwas geglättet, denn: „Wir haben uns jetzt beim Heimatverein besprochen und sind auf die Idee gekommen: Wir machen das selbst“, sagt der 70-Jährige.
Dies sei weniger aus Trotz geboren denn aus dem tiefen Wunsch, das Ehrenamt in Rietberg weiter hochzuhalten. „Wir möchten die Helden des Alltags unterstützen und sichtbar machen – das ist so wichtig“, ist Höppner überzeugt. „Das Ehrenamt ist es wert, besonders unterstützt zu werden.“ Nun wurde der Preis nur zwei Mal vergeben und scheint keine Zukunft zu haben. „Das ist genau das Signal, was wir nicht haben wollen“, betonen Höppner und sein Stellvertreter beim Heimatverein, Wolfgang Stroop.


Negatives in Positives umkehren
Aus etwas Negativem wie einer Absage an dem Heimatpreis kann sich auch etwas Positives entwickeln. „Und das ist schön“, sagt Höppner als ungebrochener Optimist. Der Vorstand des Heimatvereins tagte jüngst und kam zu dem Schluss, den Heimatpreis künftig selbst auf die Beine stellen zu wollen. Allerdings nur für die Stadt Rietberg, nicht für die Ortsteile“, sagt Günter Höppner.
Man wolle nicht „in fremden Gewässern fischen“, so der Heimatvereinsvorsitzende. Auch ein Name schwebt den Heimatfreunden bereits vor. Dieser solle jedoch noch nicht verraten werden. Nur so viel: „Es wird ein Geldpreis bleiben“, so Höppner. Dafür habe man bereits Sponsoren gefunden, suche aber auch noch weitere. Der Geldbetrag werde jedoch nicht mehr so hoch sein, wie bisher. „Das muss auch nicht sein, es geht vielmehr um die Symbolik“, sagt Günter Höppner überzeugt, damit dennoch ausreichend Dank transportieren zu können.


Aufwand steht in keinem Verhältnis.
Denn dieses Mal soll der Heimatpreis eine Zukunft haben und nicht nur Ehrenamt belohnen, sondern auch dazu motivieren, sich für das Gemeinwohl in der Stadt der schönen Giebel zu engagieren. Insbesondere letzterer Aspekt sei ein elementarer Punkt für gelebte Demokratie, unterstreicht Höppner.
Vorangegangen war der entgültigen Absage für den Heimatpreis ein Austausch auf politischem Parkett – auf Antrag einer Privatperson für den Heimatverein, der den Heimatpreis gerne erneut ausgelobt sehen würde. Danach wollte der Heimatverein die Stadtverwaltung bei der Abwicklung sogar unterstützen, was nach Anfrage beim Fördergeber, also dem Land NRW, grundsätzlich möglich sei, solange Förderkriterien eingehalten werden, hieß es in der Beschlussvorlage des Schul-, Sport- und Kulturausschusses. Einige Aufgaben jedoch könnten nicht aus der Hand gegeben werden und würden bei der Stadt verbleiben, führte Kämmerer Florian Kapp aus. Zudem entstünde ein zusätzlicher Aufwand bezüglich etwaiger Abstimmungen zwischen Verein und Verwaltung.
Die „buchhalterische“ Handlungsweise der Stadt kritisierte Günter Höppner in der Ausschusssitzung: Die Stadt müsse mehr für das Ehrenamt tun und auch das Menschliche berücksichtigen, forderte er dort.


Für dritte Auflage gibt es noch einiges zu organisieren.
Chancen auf Berücksichtigung bei der Auswahl der Preisträger sollte bislang haben, wer mit seinem ehrenamtlichen Einsatz zur Steigerung der Attraktivität der Ortsteile sowie Schaffung von Orten der Zusammenkunft in Rietberg beiträgt, wer einen Beitrag zur Förderung des »Wir-Gefühls« in Rietberg und der Identifikation mit der Heimat der Menschen leistet, wer zum Erhalt des kulturellen Erbes in Rietberg im Zusammenhang mit der Erinnerung an die lokale Geschichte und an die örtlichen Traditionen beiträgt, oder wer mit Projekten oder Initiativen, die erkennbar die Integration von Menschen mit anderem kulturellem Hintergrund und die Vielfalt sowie Inklusion fördert – allerdings begrenzt auf die Kernstadt.
Diese ehrenamtlich geleisteten Aufgaben möchte nun künftig der Heimatverein honorieren. „Es geht darum, die Arbeit sichtbar zu machen und mit dem Dank dafür auch andere zu motivieren, sich ehrenamtlich einzubringen“, sagt Höppner, der sich gemeinsam mit Wolfgang Stroop federführend für die Wiederbelebung des Heimatpreises einsetzt. Ob es noch für dieses Jahr einen Preisträger geben kann, müsse der Vorstand des Heimatvereins noch abschließend klären, denn es sei einiges zu organisieren, sagen Höppner und Stroop dennoch frohen Mutes.

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