Die Glocke | Nr.: 13 | Rietberg | Freitag, den 16.01.2026
Ofen für Glühweinabend „abgestaubt“

Akribisch aufgehübscht: (v. l.) Wolfgang Stroop und Klaus Honerlage frischen den etwa 125 Jahre alten Koch- und Stubenofen mit Farbe etwas auf. Angeschlossen werden soll er aber nicht, sagen die beiden.
Fotos: Eickhoff
Rietberg (gl). Wenn der Heimatverein Rietberg für Samstag, 15. Januar, ab 17 Uhr zum Glühweinabend ins Heimathaus an der Klosterstraße lädt, freut sich der Vorstand, den Gästen ein besonderes Highlight präsentieren zu können: Die neueste Errungenschaft ist ein rund 125 Jahre alter Ofen aus den Warsteiner Hüttenwerken.
Das betagte Schätzchen hatte der zweite Vorsitzende Wolfgang Stroop jüngst seiner in Delbrück lebenden Enkelin „abgeluchst“, die sich dazu entschloss, den Ofen als Dauerleihgabe zur Verfügung zu stellen. „Der Ofen war in vielen Rietberger Haushalten als Koch- und Stubenofen weit verbreitet“, weiß Stroop und berichtet weiter, dass dieses Stück sogar bis in die 1950er-Jahre in Betrieb war – in seiner ursprünglichen Mission. Anschließend stand er in einem Hühnerstall, wo die Brennkammer von den Hühnern auch gerne als Nest genutzt wurde. „Ich habe mich damals förmlich in den Ofen verliebt und ihn aufwändig aufgearbeitet, berichtet der 70-jährige, pensionierte Bankkaufmann über die weitere Verwendung.
Die letzten Jahre diente das Schmuckstück eigentlich nur noch als Blickfang, bis es vergangene Woche nach der Einigung vorsichtig auf einen Anhänger verladen und nach Rietberg gebracht worden war. Das war eine schweißtreibende Angelegenheit, berichtet Stroop mit einem etwas gequälten Lächeln, denn alleine die Brennkammer des Ofens wiegt rund 200 Kilogramm.
Im Heimathaus angekommen wurde der Ofen wieder komplett zusammengebaut, und auch die über der Brennkammer liegenden drei Etagen wurden wieder sorgfältig zusammengesteckt. Damit der Ofen im besten Wortsinn wieder in altem Glanz erscheint, wurde der Ofen mit einer nicht ganz so angenehm riechenden Spezialfarbe gestrichen, die bis zu 500 Grad hitzebeständig ist. Damit ist zumindest gewährleistet, dass sich die Gäste am Samstag den Heiz-Oldtimer nicht erst „schön“ trinken müssen.
Der Glühweinabend wird in diesem Jahr übrigens zum dritten Mal veranstaltet. Damit soll das umfangreiche Jahresprogramm des Heimatvereins eröffnet werden.
Bei Glühwein und Punsch kann man miteinander ins Gespräch kommen, um neue Kontakte zu knüpfen und die Dorfgemeinschaft zu stärken, beabsichtigt das Organisationsteam des Heimatvereins. Eingeladen sind nicht nur Vereinsmitglieder, sondern ausdrücklich alle interessierten Gäste aus Rietberg und Umgebung.
Inzwischen zählt der Heimatverein Rietberg rund 700 Mitglieder – vor drei Jahren waren es gerade einmal gut 300. „Durch die vielfältigen Aktivitäten und auch viele neue Aktionen konnten in den vergangenen Jahren neue Mitstreiter gewonnen werden“, sagt Stroop.
Dokumente für die Nachwelt erhalten

Alle Hände voll zu tun haben die Rietberger Heimatfreunde (v. l.) Bärbel Steiner, Irmgard Beier, Maria Große Buxel, Dr. Reinhard Hochstetter und Jürgen Weidlich immer am Dienstagnachmittag, wenn sie gemeinsam historische Dokumente digitalisieren.
Rietberg (gl). Im Mittelpunkt der Aktivitäten steht derzeit die Digitalisierung: Mit einem Spezialprogramm werden Dokumente eingescannt, Gegenstände fotografiert und verschlagwortet im digitalen Archiv abgelegt. Auch alte Häuser finden sich in der stetig wachsenden Sammlung wieder, auf die zahlreiche weitere Heimatvereine Zugriff haben und die Informationen nutzen können.
In diesem Programm finden sich rund 17 000 Gegenstände wieder, etwa 2500 davon hat der hiesige Heimatverein beigesteuert. Einen besonderen „Schatz“ stellen beispielsweise Totenzettel für das Gedenken an Verstorbene dar, auf denen die exakten Geburts- und Sterbedaten der betreffenden Personen vermerkt sind. Und auch die Traueranzeigen geben viele Hinweise, beispielsweise auf Ehepartner oder Kinder. Daraus ergibt sich letztlich ein Stammbaum, der bis zu 400 Jahre zurückreicht. „Vor 1630 wird es mit der Dokumentation ganz schwierig“, berichten der zweite Vorsitzende Wolfgang Stroop und Pressesprecherin Ute Merschbrock. Dazu treffen sich jeden Dienstag etwa ein Dutzend Heimatfreunde, um weitere Dokumente einzuscannen oder Papierbilder zu digitalisieren. Auch hier werden weitere Mitstreiter gesucht.
Andreas Eickhoff