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2025-01-23 RSA-1182 – Seite 8 Zeitzeugen zum Kriegsende in Rietberg

Austermanns Pferd im Bereich Bahnhof erschossen
Rietberger Zeitzeugen erinnern sich an militärische Ereignisse zum Kriegsende April 1945

Rietberg (dg). Im Rietberger Stadtanzeiger (RSA) suchte der örtliche Heimatverein Bürger mit lokalen Erinnerungen an das Kriegsende 1945. Dieses verbindet sich mit dem Einmarsch der Amerikaner am Ostersonntag, dem 1. April.
Mit unauslöschlichen Bildern aus ihrem damals jungen Leben, berichtete eine Gruppe heutiger Senioren Anfang März im Heimathaus. „Für uns sind das nach 80 Jahren wertvolle Informationen die wir in unserer Datenbank sammeln und archivieren“, erläutert Wolfgang Stroop, stellv. Vorsitzender. Dr. Michael Orlob wusste, dass beim Einzug der Amerikaner viele Rietberger Karren und Handwagen mit dem Nötigsten beladen hatten. So wollten sie fliehen und in den Teichwiesen die Einnahme Rietbergs abwarten. Aber zum Kampf kam es gottlob nicht. Die Amis brachten das Kriegsende. Doch kurz vorher formierte sich noch Widerstand. Erich Ludwig Adalbert Oberquelle hatte als heimischer Ortsgruppenführer nur mit ein paar Baumstämmen eine Panzersperre errichten lassen und Bewaffnung organisiert.
In seiner Erzählung schilderte Hubert Prante, dass vier mutige Rietberger diesen aussichtslosen Kampf stoppen wollten. Paul Vogt, Christoph Küper, Joseph Hanhardt und Josef Deppe marschierten in die Kommandantur, die sich in der Schwanenschenke gegenüber der ehem. Sparkasse befand. Der erste Panzer, der in Rietberg einrollte, positionierte sich auf dem Parkplatz der heutigen Gaststätte Zur Post. Hier hatte er freie Sicht in Richtung Wiedenbrück, Innenstadt, Westerwiehe. Ein zweiter stand Am Balkan, Höhe Haus Schüttler. Von einer geschichtsträchtigen Begegnung berichtete Dr. Michael Orlob. An der Spitze der Amis marschierte als amerikanischer Offizier Karl Löwenstein ein. Anton Köller ging ihm entgegen mit den Worten: „Ich möchte einem alten Rietberger zur Begrüßung die Hand schütteln“. Daraufhin ohrfeigte Löwenstein Köller. Denn mit seiner Familie hatte Löwenstein in der Müntestraße gewohnt. Karl war vor Verfolgung der Nazis in die USA emigriert und in die Armee eingetreten. Sein Elternhaus zerstörten Nazis nach der Reichspogromnacht. Die Eltern wurden nach Theresienstadt deportiert und später in Treblinka ermordet.
Am Nordtor kam es zu einem tödlichen Zwischenfall. Uhrmacher Brünings Schwester zeigte sich beim Einmarsch der Amis am Fenster. Wurde laut Hubert Prante, durch einen Bauchschuss verletzt, an dem sie später verstarb.
Als Panzer in Höhe Nunnemann und Landgräber in Stellung gingen, verließen deutsche Soldaten am Südtor fluchtartig die Stadt. Ab 18 Uhr herrschte Ausgangssperre. Schrille Sirenen kündigten sie an. Fotografieren war strikt verboten.
Nach den Amerikanern kamen Ende 1945 die Engländer. Zu den Ereignissen zum Kriegsende tauschten die versammelten Zeitzeugen noch Geschichten und Überliefertes aus den Jahren des zweiten Weltkrieges aus.
Sie haben Spuren hinterlassen, bei denen die sie erzählt haben. Ebenso bei denen, die sie angehört und aufschrieben.

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