Die Glocke | Nr.: 172 – 30. Woche – 144. Jahrgang | Rietberg | Freitag, den 26.07.2024
Infomobil rund um Tablet und Co. macht Halt in Rietberg
Im Rahmen der Aktion „Digitaler Engel“ konnten sich ältere Bürger in Rietberg nun bei Fragen rund ums Internet beraten lassen.
Rietberg (gl) – Online-Banking, eine Wlan-Verbindung herstellen oder den Weg zum nächstgelegenen Supermarkt mit einem Routenplaner verfolgen: Wer nicht mit der digitalen Welt aufgewachsen ist, gerät dabei schnell ins Stolpern. Abhilfe schafft die Aktion „Digitaler Engel“, Teil der Umsetzungsstrategie der Bundesregierung zur Gestaltung des digitalen Wandels. Am Mittwoch stand Johannes Diller, Mobilreferent der Initiative, auch in der Giebelstadt für Fragen rund um Smartphone und Co. zur Verfügung.
Johannes Diller: „Viele ältere Menschen fühlen sich abgehängt und haben niemanden, der ihnen helfen kann.“
„Dabei sein. Online im Alter“, stand in türkisfarbener Schrift auf der Tür des weißen Bullis hinter dem historischen Rathaus im Stadtkern von Rietberg. Hinter einem Podest neben einem Ständer mit verschiedenen bunten Flyern wartete Informatiker Johannes Diller. Der Mitarbeiter der Initiative „Deutschland sicher im Netz“ reist aktuell durch die ganze Bundesrepublik, um Tipps rund um den Bildschirm zu geben. In seinem Fahrzeug hat der 32-Jährige alles, was er dazu benötigt: einen Bildschirm, ein Tablet, ein Smartphone, einen Sprechassistenten und ganz viel Informationsmaterial.
Der Medienberater erläuterte im Gespräch mit dieser Zeitung, was ihn antreibt: „Unsere Gesellschaft wird immer digitaler. Viele ältere Menschen fühlen sich abgehängt und haben niemanden, der ihnen helfen kann.“
Das Projekt wird zudem als Bestandteil der Umsetzungsstrategie der Bundesregierung zur Gestaltung des digitalen Wandels vom Familienministerium gefördert. Der Verein „Deutschland sicher im Netz“, hat seinen Hauptsitz in Berlin.
Diller hat als gelernter Informatiker seinen Bürostuhl, Schreibtisch und Bildschirm gegen einen Arbeitsplatz auf vier Rädern getauscht. Was hat ihn nach Rietberg verschlagen?
Die Aktion wurde von dem Mehrgenerationenhaus im Familienzentrum in Rietberg und dem Heimatverein organisiert. Martin Hillemeyer, Leiter des Mehrgenerationshauses, kann die Situation vieler Senioren sehr gut nachvollziehen. „Ich bin ja selbst schon über 60 und auch ich bin mit manch digitaler Frage überfordert“. Er wollte dagegen vorgehen. Zudem gebe es bei dem Mehrgenerationenhaus mittlerweile immer mehr Beratungsangebote für Senioren, beispielsweise zur Rente, zu Schulden und nun auch zur Digitalisierung.
Auch Franz-Josef Laukemper, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Heimatvereins, freute sich über den einen oder anderen Tipp vom Medienprofi. So zeigte Johannes Diller den Rietbergern, wie sie ein Tablet nutzen können.
Kompetenter Engel hilft bei Digitalproblem
Zuhause steht alles bereit: Der Fernseher ist angeschlossen, und der Computer steht auf dem Schreibtisch im Arbeitszimmer. Grob weiß man wohl, wie das alles funktioniert. Manchmal fehlt jedoch entscheidendes Detailwissen oder auch einfach der Mut, sich selbst durch den digitalen Dschungel zu wagen.
So geht es auch einer 70-jährigen Rietbergerin, die Mobilreferent Johannes Diller im Rahmen der Aktion „Digitaler Engel“ um Hilfe bat. Ihre Kinder sind mittlerweile erwachsen und leben in Köln und Hannover. Da sei es schwierig, für einen digitalen Ratschlag mal eben vorbeizukommen. Umso glücklicher war sie jetzt über die Kenntnisse, die sie im Gespräch mit Diller gewonnen hatte. „Es hat mir wirklich sehr gut weitergeholfen“, hob sie hervor. „Ich habe gelernt, wie das mit den Back Ups, also der Datensicherung im Internet, funktioniert, wie ich meinen ICloud-Speicher erweitern kann und wo ich Podcasts finde.“
Nach dem Gespräch mache sie sich direkt auf den Weg in den Supermarkt, sagte sie. Denn dort könne sie Gutscheinkarten kaufen, mit denen die Rietbergerin ihren ICloud-Speicher wieder auffüllen kann. Sie schwärmte: „Es war sogar noch besser, als ich es mir vorgestellt habe.“
Auch ein 74-Jähriger konnte dank der Beratung auf dem Kirchplatz hinter dem Rathaus dazulernen. „Ich habe mir zuhause bereits einige Geräte angeschafft“, sagte er. „Grundsätzlich klappt das auch. Aber manchmal fehlt mir das konkrete Wissen zu einer Frage.“ Sein Sohn würde sich zwar sehr gut mit der Thematik auskennen, sei jedoch in Berlin und sehr beschäftigt.
Was der Rietberger wissen wollte: Wie er mit seinem IPhone eine Route zum Lind-Hotel erstellen lassen kann. Das Problem war jedoch, dass die mobilen Daten für die App „Karten“ ausgestellt waren. Das musste erstmal in den Einstellungen behoben werden.
Dann ging es weiter mit dem Suchen der Route. Diller und der 74-Jährige schauten beide auf den Bildschirm, während der Medienberater demonstrierte, wie der Start- und der Zielpunkt ausgewählt werden können, entweder durch die direkte Eingabe oder aber auch durch das Tippen auf die Karte. Der Rietberger versuchte es selbst, was auf Anhieb ohne Probleme klappte. „Danke schön“, rief dieser zufrieden, verabschiedete sich und folgte als Übung der angezeigten Route zum Lind-Hotel.
Geld überweisen und Bahnreise buchen
Abgesehen von den im Bulli ausliegenden Broschüren finden Interessenten auch im Nachhinein auf der Webseite www.digitaler-engel.org Anleitungen und Informationen zu den Möglichkeiten des Internets. Ein Auszug daraus:
Online Banking: Das beschreibt die Abwicklung von Bankgeschäften im Internet. Dazu ruft man zu Hause am Computer die Internetseite seiner Bank auf. Dort meldet man sich mit Benutzernamen und Passwort an.
Online-Banking ermöglicht beispielsweise das Einsehen des Kontostands, das Tätigen von Überweisungen oder das Erteilen von Daueraufträgen. In der Regel muss man sich dazu bei seiner Bank anmelden und freischalten lassen. Da jedes Geldinstitut eine andere Vorgehensweise hat, sollte man sich ausführlich vor Ort beraten lassen.
Nach der Anmeldung bei der Bank erhält man seine einmaligen Zugangsdaten per Post. Damit kann man sich erstmalig beim Online-Banking anmelden. Schließlich wird man aufgefordert, die persönlichen Zugangsdaten selbst festzulegen. Es wird zudem auf die Möglichkeit hingewiesen, dass man ein Giro-Konto bei einer reinen Online-Bank eröffnen kann.
Bahnreisen online suchen und buchen: Anders als beim Schalter müssen online keine Wartezeiten eingeplant werden. So kann auch kurz vor Antritt der Bahnreise das Ticket gebucht werden. Das funktioniert folgendermaßen: Als Erstes ruft man die Internetseite www.bahn.de auf.
Dann gibt man den Start- und Zielbahnhof sowie Datum und Uhrzeit der Fahrt in die dafür vorgesehenen Felder ein. Sobald die Eingabe gestartet wird, gibt es die Option, zusätzliche Felder mit zum Beispiel Angaben zur Person hinzuzufügen. Es kann aber auch nur nach der Strecke gesucht werden. „Schnellste Verbindung“ bedeutet, dass eine Teil- oder die Gesamtstrecke mit dem IC oder ICE zurückgelegt wird. Bei „Nur Nahverkehr“ werden nur die Regionalbahnen angezeigt. Daraufhin werden verschiedene Verbindungen angezeigt, die ausgewählt werden können. Mit der Funktion „Druckansicht“ lässt sich ein Fahrplan erstellen.
Kontaktdaten prüfen
Falschnachrichten: Mit der richtigen Herangehensweise lassen sich Falschnachrichten im Internet schnell entlarven. Zunächst sollte geschaut werden, wer die Nachricht verfasst und verbreitet hat. Wirkt das Profil echt? Gibt es Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme?
Zudem sollte geschaut werden, wo die Nachricht veröffentlicht wurde. Handelt es sich um ein seriöses Medium? Gibt es Fakten? Sind die Informationen durch Quellen belegt? Auf der Internetseite des „Digitalen Engels“ gibt es eine Checkliste, mit der man Nachrichten überprüfen kann.

Die Funktionen des Tablets schauten sich gemeinsam an: (v. l.) Franz-Josef Laukemper, Johannes Diller, Medienreferent der Aktion „Digitaler Engel“, und Martin Hillemeyer. Foto: Tecklenborg