Die Glocke | Nr.: 201 | Rietberg | Samstag, den 30.08.2025
Rietberg (gl). Die Zwillinge Benjamin und Maximilian aus Neuenkirchen verstärken die Webgruppe im Heimathaus Rietberg. Die beiden neun Jahre alten Brüder sitzen mit Spannung zum ersten Mal an einem Webrahmen.
Kopfkissenbezüge für ihre eignen Zimmer sollen es werden. Die passenden Farben sind schnell ausgesucht, und schon beginnt die Einweisung durch die „alten Hasen“. Marco Gieffers ist einer von ihnen. Er besuchte vor einiger Zeit das Heimathaus Rietberg. Dabei fiel sein Blick in die Webstube, die mit zwei Webstühlen ausgerüstet ist. Schnell war das Interesse von Gieffers geweckt und er wurde sich mit dem Vorstand des Heimatvereins einig, das alte Handwerk erneut aufleben zu lassen.

Auf diesem Webstuhl im Heimathaus erfolgt gerade die Herstellung neuer Geschirrtücher.
Zusammen mit Katharina Slusarczyk und Gabriele Schüren besuchte er einen Webkursus im Kloster Dahlheim in Lichtenau. Bei den ersten Webversuchen im Heimathaus standen ihnen noch die Mitglieder der ehemaligen Webgruppe hilfreich zur Seite. Inzwischen läuft aber alles ohne Hilfe wie am Schnürchen. Sonntagnachmittags sind die Drei vor Ort und arbeiten eifrig an den Webstühlen.
Die Vorarbeit nimmt eine beträchtliche Zeit in Anspruch. Es muss neben der Festlegung des Musters eine sogenannte Kettplanung erstellt werden. Das heißt, man legt die Länge und Breite des neuen Werkstücks fest und errechnet die Anzahl der benötigten Fäden. Für Geschirrtücher benötigt man etwa 600 Kettfäden in einer Länge von 15 Metern. Die Kettfäden werden längs auf den Webrahmen gespannt. Bei den Schussfäden handelt es sich um die Fäden, die anschließend quer eingewebt werden.

Katharina Slusarczyk zeigt einen Kettplan, mit dem die Zahl der benötigten Fäden bestimmt wird.
Bis ein Webstuhl fix und fertig eingerichtet ist, vergehen zwei Tage und man hat die Fäden insgesamt neun Mal in der Hand gehabt. Erst dann beginnt das eigentliche Weben. Deshalb entscheidet sich der geübte Weber dazu, möglichst lange Werkstücke zu erstellen, damit sich die Vorarbeit auch lohnt.

Die beiden Brüder Benjamin und Maximilian haben viel Spaß beim Weben. Sie sind die Neuzugänge der Webgruppe. Marco Gieffers leitet sie an.
Fotos: Heimatverein
Mit dem Einrichten der Webstühle und Webrahmen haben Benjamin und Maximilian nichts zu tun. Für sie wird immer alles vorbereitet. Die beiden Brüder sind handwerklich gut aufgestellt. Schon im Kindergarten haben sie ihre ersten Weberfahrungen gesammelt. Auch bei der Randstunden-Betreuung in der Schule sind sie im Handwerksraum aktiv. Zudem ist Maximilian begeisterter Näher. Er hat zu Weihnachten eine Nähmaschine bekommen und mit der Hilfe seiner Oma ein Kuscheltier genäht. Deshalb ist es für ihn kein Problem, aus dem gewebten Kissenstoff einen Kissenbezug zu nähen.
Benjamin interessiert sich eher für die härteren Werkstoffe. Er möchte später gerne Tischler werden und mit Holz arbeiten. Zunächst geht es aber mit dem Weben los, und die beiden Jungs sind mit Begeisterung bei der Sache.
Wer nun ebenfalls Appetit aufs Weben bekommen hat, ist sonntags zwischen 14 und 17 Uhr im Heimathaus an der Klosterstraße Rietberg willkommen und kann dem Webteam über die Schulter schauen.
Ute Merschbrock