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Die Glocke | Nr.: 79 | Rietberg | Donnerstag, den 03.04.2025

Beliebter Ordensmann mit Talent

Von GERD DAUB-DIEKHOFF
Rietberg (gl). Auf erstmals zwei Ausstellungsebenen, im Kunsthaus-Museum Koch und im Heimathaus Rietberg, sind bis zum 22. Juni eine Menge Gemälde von Pater Walther Tecklenborg zu bewundern. Das Multitalent in der braunen Mönchskutte wird auch 60 Jahre nach seinem Ableben als der berühmteste Franziskaner des früheren Klosters Rietberg, in dem er 47 Jahre lang gelebt hat, bezeichnet.
Im Rahmen einer Vernissage würdigte eine Nachfahrin sein künstlerisches Wirken. Eindrucksvoll war am Dienstagabend die Eröffnung der rückblickenden Präsentation, die zunächst in dem mit dem Kunsthaus baulich verbundenen Alten Progymnasium über die Bühne ging: Im Ratssaal, in dem sich etwa 170 Besucher einfanden, beeindruckte Dr. Stefanie Schulte-Hinsken, eine aus Konstanz angereiste Großnichte von Tecklenborg, mit einer bunt bebilderten Retrospektive auf ihren Verwandten, 60 Jahre nach dessen Tod.
Der Ordensmann frönte seiner größten Leidenschaft, der Malerei, im eigenen Atelier – dort, wo einst die Klosterbrauerei etabliert war. Nach einem Kunststudium hantierte er mit technischem Talent und großem Selbstvertrauen mit Bleistift, Pastellkreiden, Aquarell- und Ölfarben. Eine Studienreise nach Italien, dessen mediterrane Stätten, so auch das Dorf von Ordensgründer Franz von Assisi, er inspizierte, führte ihn auch nach Capri, wo ihn die architektonisch opulent gebaute Villa d’Este entzückte. Das Bild ist im Kunsthaus im Parterre zu finden.
Am 1. Februar 1876 in der 1000-jährigen Stadt Wiedenbrück, an der Lange Straße, als bürgerlicher Namensträger Franz Carl Ignatz Tecklenborg geboren, war er Sohn einer in Rheda-Wiedenbrück verwurzelten Kaufmannsfamilie, die von 1630 bis 2019 Deutschlands ältestes Modegeschäft betrieben hat. Als Franziskaner erhielt er eine Menge Privilegien, die seinen Forschergeist beflügelt haben – dies war erstaunlich in einer streng geregelten Ordensgemeinschaft, die ein brüderliches Leben in einer evangeliumsgemäßen Lebensweise mit apostolischem, den Armen zugewandte Akzente abverlangte.
Pater Walther bewies sein mildes Herz als Seelsorger und auch gegenüber den Mitbrüdern: „Ich hatte als 19-jähriger Novize 1958 einen Riesenhunger. Walther hat mir bei der täglichen Essensausgabe immer mehr zugeschoben, Bratkartoffeln, Gemüse, Fleisch. Die anderen sahen dies. Aber es störte niemanden“, erinnerte sich am Dienstag der einzige anwesende Kuttenträger, Franziskanerpater Heinz-Meinolf Stamm (86), noch immer aktiver Vize des Kirchlichen Gerichts (Offizialat), der mit seinem Chef, Domvikar Hans-Jürgen Rade, zur Ausstellungseröffnung gekommen war.

Großnichte verfasst umfangreiche Biografie

Rietberg (gdd). Tecklenborg, einmal mehr als Maler, bewies seine multiplen Fähigkeiten zeitgleich, mit ausdrücklicher Erlaubnis seines Ordens, und außerdem auch auch als Restaurator, Genealoge und Heraldiker. Und auch als Autor zahlreicher Schriften rückte er ins öffentliche Bewusstsein.
In manchen Stuben seiner Wahlheimat hängen von ihm bis heute empirisch dekorativ geschaffene Familienstammbäume, aquarellierte Federzeichnungen, die auch in nationalsozialistischer Zeit Staunen hervorgerufen haben.
Dass er 1941 nach einem politischen Konflikt für einige Wochen im Gefängnis gelandet ist, schmälerte sein Ansehen keineswegs. 1962 erhielt er für sein Werk und Wirken das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. 1955 veröffentlichte Pater Walther ein Buch über seine Arbeitsstätte, das Rietberger Franziskanerkloster. 60 Jahre später hat die Großnichte Stefanie Schulte-Hinsken, die wie ihr Mann beruflich als akademisch geschulte Vermessungsingenieurin im Beruf steht, nachgelegt: Sie bot in Rietberg ihr im Oktober 2024 erschienenes Buch „P. Walther Tecklenborg OFM 1876-1965“, eine 200-seitige Biografie mit 250 Abbildungen, an.
Eine Besucherin entdeckte am Dienstag in der Heimathausdeele ein Gemälde von Gräfin Sabina Katharina, deren Herz bekanntlich in der Klosterkrypta ruht. „Da ist meine Mutter“, erklärte sie den verblüfften Umstehenden das in Öl geschaffene Porträt. Tatsächlich aber hatte Pater Walther damals für das gräfliche Antlitz eine junge Rietbergerin gebeten, nämlich eben die Mutter dieser Ausstellungsbesucherin, für ihn Modell zu stehen.

Hintergrund
In Rietberg ist eine interessante Ausstellung über das vielfältige Leben und Wirken des Franziskanerpaters Walther Tecklenborg zu sehen. Das Besondere: Erstmalig wird eine Ausstellung an zwei Standorten gezeigt. Nämlich im Kunsthaus Rietberg – Museum Wilfried Koch sowie im Heimathaus Rietberg. Beide Orte sind durch ihre Gärten miteinander verbunden.
Wegen seines hohen Ansehens war der Franziskanerpater Walther Tecklenborg vielerorts ein stets gern gesehener Gast und Ratgeber. Und: Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern des 1931 entstandenen Rietberger Heimatvereins.
Franz Carl Ignatz Tecklenborg trat bereits mit 16 Jahren in den Franziskanerorden ein. Bei seiner Einkleidung 1892 wurde ihm der Ordensname Walther gegeben.
Nach seinem Studium der Philosophie und Theologie erhielt er am 14. August 1901 in Paderborn die Priesterweihe. Aufgrund seines künstlerischen Talents ermöglichte ihm der Orden eine sechsjährige Ausbildung an der Kunstakademie in Düsseldorf.
1918 wurde Pater Walther Mitglied des Rietberger Franziskanerkonvents, wo er Zeit seines Lebens Seelsorge betrieb.
Die Ausstellung läuft bis zum 22. Juni und kann freitags in der Zeit von 14.30 bis 18 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr besichtigt werden.
Der Eintritt ist kostenfrei

Mit ihrem Ehemann Dr. Ludger Schulte-Hinsken war die Großnichte von Pater Walther, Dr. Stefanie Schulte-Hinsken, ins Kunsthaus gekommen.
Sie verfasste eine Biografie des Franziskanerpaters. Das mediterrane Meeresmotiv, neben dem das Ehepaar steht, brachte Pater Walther von einer Studienreise nach Italien im Jahr 1929 mit nach Rietberg.

Bewunderung für die Kunstwerke von Pater Walther zeigten seine Nachfahren (v. l.) Beatrix Scharpenberg (geborene Tecklenborg), Dorothee Willmers (ebenfalls eine Großnichte, aus Köln) sowie Friederike und Marc Tecklenborg (aus Rheda-Wiedenbrück). Fotos: Daub

Als Novize lernte Franziskanerpater Heinz-Meinolf Stamm aus Paderborn Pater Walther Tecklenborg persönlich kennen. Den Besuch der Ausstellung ließ er sich nicht nehmen.

Flyer zur Ausstellung

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