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2025-04-03 RSA-1187 – Seite 5 „Baustopp an der Rathausstraße“

Noch mehr Schätze unterm Rathausstraßen-Asphalt?

Freude und Entsetzen über LWL Ausgrabungspläne – Geschichte fordert erneut ihren Tribut

Rietberg (dg). Bei Baggerarbeiten an der Baustelle Rathausstraße wurden am 1.4. Knochen und historische Gegenstände gefunden. Die Bauarbeiten sollen bis auf weiteres so schnell wie möglich gestoppt werden.
Archäologen des LWL (Landschaftsverband Westfalen-Lippe) sind bereits informiert und zur Begutachtung der Funde angereist.

Eilten nach Bekanntwerden gleich zum Fundort: Günter Höppner und Wolfgang Stroop (r.). Die Vorsitzenden vom Heimatverein waren begeistert von Rietbergs neuen „Bodenschätzen“. Hier mit Skelett-Teil eines mächtigen Vierbeiners. Fotos: RSA/Rehling

Alles deutet aktuell darauf hin, dass es sich wieder um sensationelle Funde handeln könnte. Die Fachleute haben sich noch nicht festgelegt. Es könnte sein, dass die Funde in Zusammenhang mit dem Rücktransport der Quadriga von Paris zurück nach Berlin im Jahr 1814 in Verbindung stehen. Wie bekannt musste die Truppe seinerzeit mehrere Tage vor dem Nordtor pausieren, denn die Quadriga passte nicht durchs Stadttor und der Boden musste ausgehoben werden. Ob es dabei zu kämpferischen Handlungen kam, ist nicht bekannt.
Viel weiter gehen aber andere wissenschaftliche Vermutungen: Möglicherweise könnten es sogar die Überreste römischer, geflüchteter Legionäre aus der Schlacht am Teutoburger Wald sein. Das werde sich spätestens dann herausstellen, wenn die ersten Ledersandalen gefunden würden, so die Einschätzung beim LWL.

Mindestens sechs Monate Baustopp möglich

Dass diese Annahmen keine Utopie sind, liegt auf der Hand – oder besser gesagt: im Boden. Zu nennen sind hier die Artefakte aus der Jungsteinzeit im Bereich Große Höppe Ende der siebziger Jahre, die umfangreichen Grabungen in Klingenhagen und Sennstraße im Jahr 2022 und die aktuellen Schürfprüfungen im Bereich der Rottwiese.

Erste Fundstücke sicherten die aufmerksamen Bauarbeiter auf dem hochstehenden Gullydeckel in der ersten tiefen Baugrube des Kanalbaus Rathausstraße/Ecke Mühlenstraße

Nach ersten Sichtungen des Materials gehen die Fachleute davon aus, dass die archäologischen Forschungsgrabungen mehrere Monate dauern können. Denn die Archäologen werden sich mit Teelöffel und Staubpinsel Meter für Meter durch den wertvollen Rietberger Untergrund der künftigen Prachtmeile graben müssen.
„Das hat uns gerade noch gefehlt“, äußert sich ein engagierter Mitarbeiter aus dem Rathaus, der ungenannt bleiben möchte. „Wenn die Maßnahme Rathausstraße dann so lange dauert wie die Johanneskapelle (vier Jahre), dann müssen wir ernsthaft über ein wirkungsvolles Innenstadtkonzept nachdenken.“

Das hat uns gerade noch gefehlt…..“

Bei Rat und Verwaltung scheint Schockstarre zu herrschen. Es gab bisher keine offizielle Äußerung zur Sachlage. Einzige Ausnahme: CDU-Bürgermeister-Kandidat Marco Talarico: „Das ist jetzt meine Baustelle!“ Um mehr Tempo in die Sache zu bringen und den Zeitverlust so gering wie möglich zu halten, schlägt er vor, wie beim traditionellen Tunnelbau in den Alpen auch schon von der Südseite entgegen zu forschen. Die Archäologen begrüßen das einerseits, warnen aber andererseits davor. Ihr Credo: Qualität geht vor Schnelligkeit. Keiner wisse schließlich, was in möglichen Torflinsen noch an Geschichte verborgen sei.
Auf LWL-Anfrage bei der Stadtverwaltung, ob es Räume für ein großes Ausgrabungsteam gebe, war die Reaktion: Kein Problem, Leerstände habe man genug.
Auch beim Heimatverein ist die Aufregung groß. Ehrenvorsitzender Dr. Michael Orlob frohlockt: „Jetzt kommt endlich Rietbergs geschichtlich wahre Bedeutung ans Tageslicht.“ Und Vorsitzender Günther Höppner verspricht: „Wir werden jedes Ereignis und jeden Fund für unser Heimatarchiv digitalisieren.“
Die Einzelhändler an der Rathausstraße haben sich zu den Ereignissen vom 1. April und deren Auswirkungen noch nicht geäußert. Kritische Kaufleute haben den Ortskern früh genug verlassen und ihre Geschäfte in umliegende Städte verlegt. Die verbliebenen Händler und Gastronome hätten sich an wenig Publikumsfrequenz gewöhnt, so hört man aus internen Kreisen. Die neue Situation werde mit innovativen Ideen vom Stadtmarketing Punkt für Punkt abgearbeitet.

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