Rietberg – Menschen, Geschichte, Denkmal-, Umwelt- und Naturschutz

So geht Vergangenheit im Kreis Gütersloh nicht verloren

Die Glocke | Nr.: 135 – 24. Woche – 144. Jahrgang | Kreis Gütersloh | Donnerstag, den 13.06.2024

Die Heimatvereine im Kreis Gütersloh vernetzen sich digital. Tausende Fotos, Urkunden und Dokumente werden nach und nach eingepflegt.

Christina Sasse (57), Werner Beine (73), Wolfgang Stroop (69, von links) wollen die Bestände in ihren Heimatvereinen digital vernetzen. Foto: Borgmeier

Kreis Gütersloh (cabo) – Immer mehr Heimatvereine (HV) in Nordrhein-Westfalen digitalisieren ihre Bestände an historischen Dokumenten und vernetzen sich untereinander. Pionierarbeit im Kreis Gütersloh leistet dabei der Heimatverein Rietberg.

Tipps für das Projekt

In den Startlöchern steht der HV Wiedenbrück-Reckenberg. Deren Schriftführerin und Ortsheimatpflegerin Christina Sasse (57) hat sich jetzt bei Wolfgang Stroop (69), Vize-Vorsitzender des HV Rietberg, und Werner Beine vom HV Langenberg Tipps für das Projekt geholt.

Während Rietberger Bestände an historischen Fotos, Geburts-, Heirats- oder Sterbeurkunden bereits seit zwei Jahren von Stroop und etwa 20 weiteren Mitgliedern in das Software-Programm „HV-digital“ eingepflegt und verschlagwortet werden, ist der HV Langenberg nach Auskunft von Werner Beine seit etwa einem Jahr dabei.

2000 Euro für die Vereine

Finanziell ermöglicht wird das digitale Aufarbeiten der Heimatgeschichte in NRW durch ein Förderprogramm der Landesregierung: „Heimat-Scheck“ heißt es und spült den beteiligten Vereinen 2000 Euro in die Kasse. Von diesem Betrag schaffen die Ehrenamtlichen Hardware wie Computer und vor allem Scanner sowie das Programm „HV-digital“ an.

Das Besondere: Die Heimatvereine, die das Programm nutzen, sind darüber digital vernetzt. Inhalte sind aber nicht öffentlich einsehbar, was also einen gewissen Datenschutz darstellt. „Und jeder Heimatverein kann individuell entscheiden, welche Daten für die übrigen Nutzer, dazu können auch Schulen gehören, freigegeben werden“, erläutert Wolfgang Stroop. Nach seinen Angaben sind bislang NRW-weit etwa 30 Heimatvereine über das Programm verknüpft.

Tausende Fotos eingepflegt

„Der Heimatverein Riesenbeck im Münsterland war 2017 der erste, der damit begonnen hat“, berichtet der frühere Bankkaufmann. Demnach umfasst der digitale Bestand landesweit Lebens- und Sterbe-Daten von 165 000 Menschen, zudem können 72 000 historische Fotos und andere Dokumente abgerufen werden. Der eingepflegte Bestand des Heimatvereins Rietberg umfasse bislang 6640 Fotos und Dokumente sowie Daten zu 11 500 Menschen, die in früheren Jahrhunderten in der alten Grafenresidenz lebten.

Original und digital: Wolfgang Stroop, Vize-Vorsitzender des Heimatvereins Rietberg, hat ein historisches Foto von 1920 mit Wiedenbrücker und Rietberger Bezügen in das Programm „HV-digital“ eingepflegt.

Doch die Menschen hätten damals ja auch Verbindungen in die umliegenden Ortschaften gehabt, erläutert Stroop. Wer aus Rietberg stamme, habe seine Lehre vielleicht in Wiedenbrück gemacht oder sei in Warendorf ins Gymnasium gegangen, berichtet der 69-Jährige. Genau solche Spuren seien jetzt über die vernetzten Daten innerhalb der Heimatvereine zu finden, spricht Stroop besonders die Familienforschung an. Im Kreisgebiet seien auch die Heimatvereine Bokel, Mastholte, Neuenkirchen bereits in dem Programm aktiv, berichtet Stroop.

„Heimatvereine schmoren zu oft im eigenen Saft“

Für Christina Sasse ist der Einstieg in das digitale Netz ein wichtiger Beitrag, dass Heimatgeschichte für die Zukunft erhalten bleibt. „Heimatvereine schmoren zu oft noch im eigenen Saft, dabei bringt die Vernetzung eine Vielzahl von Vorteilen“, sagt sie, die wie ihre beiden Mitstreiter aus Langenberg und Rietberg ehrenamtliche Helfer für das Einpflegen sucht.

Ihnen ist klar: Das Digitalisieren der umfangreichen analogen Bestände ist echte Kärrnerarbeit, aber alternativlos. Allein beim Heimatverein Langenberg warten nach Angaben Beines etwa 10 000 historische Negative und Bilder von etwa 1900 bis 1980 des damaligen Ortsfotografen Rudi Mildner darauf, gesichtet, eingescannt und verschlagwortet zu werden.

Stroop: „Dieses Programm sichert die Daten gegen Verlust. Vielfach sind bisher die Informationen, Bilder oder Dateien auf externen privaten, passwort-geschützen Rechnern abgelegt.“ Wenn dann diese Person sterbe, seien die Daten gegebenenfalls nicht mehr greifbar und die investierte Arbeit umsonst.

Lebensgeschichten überregional verfolgen

Christina Sasse will beispielsweise die Buchreihe „Lebensbilder Wiedenbrücker Häuser“ des 2010 verstorbenen Heimatkundlers Josef Temme so rasch wie möglich in das Programm einspielen. Temme hatte in mehreren Bänden die Geschichte von mehr als 500 Wiedenbrücker Häusern erforscht. Diese Informationen dürften sicherlich auch in den angeschlossenen Heimatvereinen von Interesse sein, sind sich Sasse, Beine und Stroop sicher.

Die angeschlossenen Heimatvereine suchen überdies historische Fotos von Gebäuden und Personen, Totenzettel, Familienbücher und Dokumente aus alten Zeiten, die erfasst werden sollen. „Diese werden selbstverständlich nach dem Erfassen wieder zurückgegeben.“

Interessierte können sich melden

Wer Interesse an einer Mitarbeit hat, kann sich beim Heimatverein Wiedenbrück-Reckenberg (360 Mitglieder) per Mail an Ortsheimatpflegerin.wd@gmail.com melden.

Die Rietberger Heimatfreunde (580 Mitglieder) sind unter HV-rietberg@outlook.de erreichbar.

Wer in Langenberg (223 Mitglieder) unterstützen will, schreibt an: HeimatvereinLangenberg@t-online.de

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.