Heimathaus

Unser Heimathaus an der Klosterstraße 3 in Rietberg

Zur Straße hin zeigt sich das Heimathaus mit einer reichgeschnitzten Giebelfront. Die Ornamente sind: Perlschnur, Zahnschnitt und Eierstab. Den Torbogen umgibt ein verdrilltes Perlenschnurmuster (stark verwittert). Über dem Torbogen ist zu lesen: „Friedrich H. Hellewegh und Gertrud Waschhans (?) haben dieses Haus gebaut im Jahre 1645, den 20. August.“

Der stark verwitterte Spruch im Giebelbalken ist nicht mehr vollständig lesbar, doch Bruchstücke sind zu entziffern: „…fleissig ist in seinem Stande…in Gottes Forchten stehet…“ Den Spruch findet man in Rietberg am Hause Rieländer (Rathausstraße 28) vollständig: „Wer fleissig ist in seinem Stande, den segnet Gott mit milder Hand undt auch in Gottes Fruchtten stehet, in keinem Ungeglucke er vergeihet.“

Betritt man das Haus durch die Deelentür, so führen links zwei Bogentüren, deren Bögen Perlschnur und Schuppenmuster zieren, in die Stuben (2). Die vordere der Stuben wurde durch einen Hinterladerofen geheizt, dessen Rauch über die Deele nach außen abzog. Ebenfalls auf der linken Seite geht es über eine steile Stiege auf die Galerie, über die man in die oberen Kammern gelangt. Über den beiden Kammern des Erdgeschosses liegt ein einziger schmaler langer Raum, der vielleicht zum Trocknen des Korns benutzt wurde. Rechts unten sieht man die Kuhnackenriegel, Reste der Stallungen, darüber zwei kleine Kammern (2).

Die Deele wurde zur Küche im hinteren Drittel des Hauses durch eine große zweiflügelige Tür abgeschlossen (3). Ein offenes Herdfeuer an der rechten Seitenwand der Küche hinterließ durch seinen Rauch deutliche Spuren von Ruß und Holzteer am Gebälk der Küche und des ganzen Hauses (6). Einen Kamin gab es ursprünglich nicht. Vier große Fenster, je zwei neben dem Herdfeuer an der
Seitenwand und an der Stirnwand, lassen das Tageslicht herein und den Rauch entweichen. Eine in Ober- und Unterflügel geteilte Tür führt zum Hof. Durch eine Bogentür auf der linken Seite der Küche gelangt man in den „Keller“, darüber von der Galerie aus erreichbar der „Saal“ (1).

Von dieser beschriebenen Raumdisposition wird in allen Häusern aus dieser Zeit nicht abgewichen bis auf seltene Seitenvertauschungen. Fast immer ist der ursprüngliche Wohnteil unten links, die Stallungen rechts, die große Küche hinten rechts, der „Keller“ hinten links, bei stattlicheren Häusern darüber der Saal. Dass in manchen Häusern durch spätere Umbauten, Zwischenwände usw. dies mehr oder weniger verwischt wurde, liegt auf der Hand. Doch fast immer ist die Küche, wenn auch oft stark verkleinert, vom Straßeneingang aus gesehen hinten rechts.

Der Bauerngarten ist vom Heimatverein liebevoll hergerichtet worden. Die Mitte des Gartens ziert ein alter Brunnen, der mit Pflanzen umwachsen ist.


Lünings Scheune

Das von Friederich Helleweg 1645 erbaute Ackerbürgerhaus in der Klosterstraße 3 ist das Heimathaus des Heimatvereins der Stadt Rietberg. In seiner langen Geschichte beherbergte das Haus auch einige Zeit lang das Gymnasium Rietberg. Im 19. Jh. erwarb dann die Familie Lüning das Haus, um Stellplätze für ihre Wagen und Ställe für ihr Vieh zu haben. Die Räumlichkeiten dienten auch als Warenlager. So lagerten in der Zeit 1945-1948 eine Riesenladung Streichhölzer – höchst explosiv und feuergefährlich. Zum Glück sei die Ladung nicht hochgegangen!

In die Lüningzeit fallen Umbauten, die das Haus in seinem Charakter als Ackerbürgerhaus wesentlich verändern. Insbesondere die Erweiterung des Durchgangs von der Deele in den heutigen Kaminraum und von dort die Erweiterung des Durchganges in den Hof, den heutigen Garten des Heimathauses. Das Haus wird dadurch zu »Lünings Scheune«. Dieser Name hat sich bis in die jüngste Zeit so im Rietberger Sprachgebrauch erhalten. 1899 wird die Scheune im Garten errichtet.

Um 1960 erwirbt die Stadt Rietberg das Anwesen von der Familie Rieländer. Ab 1983 beginnen die Bemühungen des Heimatvereins, das Ackerbürgerhaus zum Heimathaus umzugestalten. 1989 ist die offizielle Einweihung als »Heimathaus«.
Ein alter Pferdewagen, der damals noch im Hause stand, ging an die Familie Rieländer zurück. Dieser Wagen stand dann einige Zeit als Dekoration mit Strohballen vor dem ELLI-Markt, fiel aber dann Brandstiftern zum Opfer.

Heute dient »Lünings Scheune« dem Heimatverein und seinen fast 700 Mitgliedern als Haus für Treffpunkte und Begegnungen.

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